FEC Jahrestagung und -Campus 2026 in Essen – ein Rückblick

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Food Editors Club zu ihrer Jahrestagung. Hier tauschen wir uns aus, bearbeiten Vereinsformalien nach einer festgelegten Tagesordnung, bilden uns weiter und entdecken, was der Genussmarkt an spannenden Produkten zu bieten hat. Die diesjährige Tagung fand im Herzen des Ruhrgebiets statt: in Essen.

Get-together mit Currywurst & Co.

Unser traditionelles Get-together, am Freitag Abend, fand in der Collective Ruhr statt. Kaum verlassen wir im 5. Stock den Aufzug zum Meeting-Room mit Dachterrasse des Co-Working-Space, weht uns ein würziger Duft von Curry entgegen.

Currywurst und dazu ein Bierchen: Das ist auch heute aus dem Ruhrgebiet nicht mehr wegzudenken. Daher durfte beides zum Auftakt unserer Tagung nicht fehlen und kam natürlich aus der Region:

Die Currywurst wurde uns von „Lecker Werden“ (https://leckerwerden.de) geliefert. Chefkoch Patrick Jabs stand selbst am Herd und bereitete für uns den Ruhrpott-Klassiker zu. Aus logistischen Gründen simmerte im großen Topf bereits in Scheiben geschnittene Wurst in einer Currysauce, natürlich nach seinem eigenen Rezept. Patrick Jabs, der bei den großen der kulinarischen Welt, wie z.B. bei Heinz Winkler, gelernt hat, betreibt heute mit seiner Frau Stefanie eine Kochschule und einen Feinkostladen.  Dort gibt es die Currysauce, andere Leckereien nach seinem Rezept sowie hochwertige Feinkost von anderen Produzenten zu kaufen. Bei allen Produkten in ihrer Kochschule und ihrem Feinkostladen steht gute Qualität – überwiegend aus der Region – an erster Stelle.

Lokal blieben wir auch bei einigen Getränken: Mücke Craftbeer (https://www.muecke-craftbeer.de) und Schloss Quelle (https://schloss-quelle.de), zwei Essener Unternehmen, sponserten uns Bier bzw. Mineralwasser.

Aus einer „Bierlaune“ heraus entstand die Idee, Bier selbst zu brauen. Ohne professionelle Ausbildung wagten sie sich an das Experiment und probierten Braurezepte aus. Durch viel Lob von Freunden, Bekannten und der Begeisterung eines lokalen Getränkehändlers wurde aus ihrer Leidenschaft schließlich ein Geschäft. In der Privatbraierei Liebharts in Detmold fanden sie einen Partner, der ermöglicht, obwohl sie weiterhin ihren Hauptberufen nachgehen, jeden Schritt, vom Brauen bis zum Etikettieren der Flaschen, selbst durchzuführen.

Die malzige Restsüße des „Mücke Ruhr-Export“ sowie der hopfige Abgang des „Mücke Alkoholfrei“ harmonierte hervorragend mit der scharf-süßen Currywurst-Sauce.

Wein gibt es im Ruhrgebiet ja (noch?) nicht – aber zu einer Currywurst passt auch guter Riesling. Wein und Sekt kamen vom Weingut Schenk-Siebert (https://www.weingut-schenk-siebert.de) aus der Pfalz. Das Weingut Dr. Hinkel (https://www.weingut-dr-hinkel.de) aus Rheinhessen hat uns seinen alkoholfreien Sekt gesponsert – der immerhin offiziell in allen deutschen Botschaften weltweit ausgeschenkt wird.

Die  beiden alkoholfreien Sekte „Dri Ver! – Sparkling Rosé und Dri.Ver! – Prickelnd werden auf der Basis von Verjus – dem Saft von unreifen Trauben und unterschiedlichen Traubensorten hergestellt.

 

Gute Zutaten und eine sorgfältige Auswahl der Lieferanten stehen auch beim gesponserten Eis von „I am Love“ (https://www.i-am-love.de) ganz oben. Das Ergebnis: spannende Eissorten wie „Mango Sticky Rice“ oder „Teheran“ mit Safran, Rosenwasser und Pistazie.

Mit dem Eiswagen von „I am Love“ bescherten uns die Organisatorinnen der Jahrestagung eine ganz besonders „süße“ Überraschung. „Mango Sticky Rice“ oder „Teheran“ mit Safran, Rosenwasser und Pistazie, nicht nur von solch exotischen Eissorten wollte natürlich jeder von uns probieren. Auch „Matcha Tee mit weißer Schokolade“, „Blaubeer Lavendel“ oder „Himbeer Minze“ hatten rasch ihre Fans. Leider fasste der Eiswagen nicht alle über 20 Eissorten des innovativen Unternehmens „I am Love“ (https://www.i-am-love.de), welches uns diesen Genuss sponserte. Kevin Kühn, der Gründer und Geschäftsführer lässt sich nicht nur bei den Eisrezepten von seinen Auslandsreisen inspirieren, er bringt auch Kontakte zu den Rohstoffquellen mit der besten Qualität mit nach Hause.

 

Tagung (Teil 1) im Mintrops Stadthotel 

Als Tagungsort hatten wir das Stadthotel (https://mintrops-stadthotel.de) ausgewählt, aus zwei Überlegungen: Vor allem, weil das mehrfach ausgezeichnete Hotel zentral in einer der schönsten Ecken Essens liegt: in der historisch bedeutsamen Siedlung Margarethenhöhe, durch die uns am Nachmittag noch ein geführter Spaziergang erwartet. Außerdem kocht im hoteleigenen Restaurant „M“ der ambitionierte Küchenchef Stephan Kneucker, auf dessen Kreationen wir sehr neugierig waren.

Am Samstagmorgen trafen wir uns dann in einem der modern ausgestatteten Tagungsräumen des Hotels. Viele der Kollegen hatten hier auch Zimmer für den Aufenthalt gebucht.

Nun wird es ernst, die Tagesordnung will bearbeitet sein. Einer der ersten Punkte ist die Aufnahme drei neuer Mitglieder, sowie die alle zwei Jahre stattfindende Wahl des Vorstandes und der Regionalsprecher. Marie-Louise Barchfeld wurde als 1. Vorsitzende wiedergewählt, nun unterstützt von Martina Tschirner, als 2. Vorsitzende, neuer Regionalsprecher Nord ist Stevan Paul.

Nach der Kaffee-Pause, in der uns die Küche des Mintrops Hotels mit salzigen und süßen Leckereien verwöhnte, ein erster Vortrag, sowie die anschließende Möglichkeit, Fragen zu stellen.  Anmoderiert hat den fachlichen Food-Input von Jens Lönneker FEC-Mitglied Dagmar von Cramm.

Der Diplom-Psychologe hat im Auftrag der Heinz Lohmann Stiftung (https://phwgruppe.de/unternehmen/stiftung/) die Studie „Essen in Deutschland: Prognosen, Wirklichkeit und Zukunft“ geleitet und uns die Ergebnisse vorgestellt. (Ein Beitrag dazu von Dagmar von Cramm auf der FEC-Seite)

Viel Reden über Essen regt den Appetit an. Und mit hungriger Erwartung sahen wir im Restaurant „M“ des Mintrops Hotels den Kreationen von Chefkoch Stephan Kneucker entgegen.

Nach einem phantasievoll umgesetzten Gruß aus der Küche  erzählte er uns seine Küchen-Philosophie: „Moderne Ruhrgebietsküche, kreativ umgesetzt, gepaart mit Einflüssen der modernen und der klassischen Küche verbinde ich leidenschaftlich gerne mit den frischesten Produkten unserer meist regionalen Lieferanten und den Produkten aus unserem eigenen Bio-Garten zu Geschmackserlebnissen für jeden. Ein herrlicher Geschmack im Mund, der Duft von frischen Kräutern, das liebevolle Arrangement auf dem Teller, dafür lebe und liebe ich meinen Beruf“.

Beim dreigängigen Menü – konnten wir je nach Gusto – zum Hauptgang wählen zwischen:

„Ruhrtaler Schweinerücken meets Pfefferpotthast“   –  Pfefferkruste – Zwiebel – Gurkenrelish – Kümmelkarotte„

Glückauf Zander mit Kraut und Korn“  –  Pumpernickel – Sauerkraut – Schnittlauch – Graupen

„Kohle & Rauch“  Kohlrollade – Linsenragout – rauchige Kartoffel – Kohleklumpen

 

Nach kulinarischen Genüssen erwartete uns ein geführter Spaziergang durch die frühlingsblühende, idyllische Siedlung Margarethenhöhe.

Sie gilt als erste Gartenstadt Deutschlands und die Stadt Essen hat sie Margarete Krupp zu verdanken. Einer starken Frau und Visionärin, die es verstand, in der damaligen Männer dominierten Welt auf kluge und diplomatische Weise ihren Lebenstraum zu realisieren: menschenfreundlicher Wohnraum im Grünen für sozial schwächer Gestellte. Mit der Gründung ihrer „Stiftung für Wohnungsfürsorge“, ein Vorhaben, welches sie an der Hochzeit ihrer Tochter Berta bekannt gab, und mit unermüdlichem Einsatz arbeitete Margarethe Krupp an ihrer Vision. In dem jungen, innovativen Architekten und Städteplaner Georg Metzendorf fand sie einen Gleichgesinnten.

Von 1909 bis 1938 entstanden aus ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit 935 Gebäude mit 3092 Wohnungen:

  • Kleinwohnhäuser mit eigenem Garten, mit einem das damalige Leben erheblich erleichternden, modernen Komfort, wie ein neuzeitlicher Grundriss, mit getrennter Küche und Spülküche, Bad und Wasserklosett, sowie einer damals wegweisenden und von Metzendorf selbst erfundenen kombinierten Luftheizungs- und Kochanlage „Druna“.

Durch eine Vereinheitlichung der Grundrisse der Gebäude, die durch eine Vielfalt der Gestaltung von Giebeln, Haustüren und Fenstern, Schmuckelementen und Säulen sehr individuell wirken, gelang Metzendorf eine hochwertige Wohnsiedlung zu schaffen und die Baukosten dabei im Rahmen zu halten. Seit 1987 steht die Gartenstadt Margarethenhöhe, die heute noch von der Margarethe-Krupp-Stiftung erhalten wird, unter Denkmalschutz.

Beeindruckt von unserem Spaziergang die romantische Siedlung, die sich ihre Idylle bis heute erhalten hat und mit gestilltem Kaffeedurst war der Kopf frei für das Weiterbildungsprogramm unseres Vereins. Der FEC Campus wird von einem Team unserer Mitglieder, Sarah Schocke, Maren Zimmermann, Inga Pfannebecker, Stevan Paul und Oliver Wagner inhaltlich geplant und umgesetzt.

 

FEC Campus: Vortrag und Podiumsdiskussion zum Thema „KI im Foodjournalismus“

 KI – jetzt! Oder nie? Chancen und Perspektiven einer Branche im Wandel

Den Auftakt machte die Journalistin und KI-Enthusiastin Bettina Blaß (https://bettinablass.de), indem sie praxisnahe Einblicke in sinnvolle KI-Tools für den (Food-)Journalismus aufgezeigt hat.

In der anschließenden Panel-Diskussion sprachen unter der Moderation unseres Mitglieds Dr. Nikolai Wojtko (https://www.agentur-fuer-gastrosophie.de) Branchenexperten über den konkreten Einsatz von KI bei Content-Entwicklung und Rezeptkreation: David Breul, Chief Content Officer bei Chefkoch (https://www.chefkoch.de), IT-Experte Irmin Wiechmann von der Agentur für Gastrosophie (https://www.agentur-fuer-gastrosophie.de) und Kommunikationsdesigner Oliver Wagner von der Agentur Kaiserhappen (https://www.kaiserhappen.com).

 

Abendessen im tablo: Türkisches Fine Dining und geführte Weinverkostung

Das gemeinsame Abendessen fand im Restaurant tablo (https://tablo-restaurant.de) statt. Das tablo ist ein alteingesessenes türkisches Fine-Dining-Restaurant in Essen. In den 1960er-Jahren wurden, vor allem im Ruhrgebiet, viele Gastarbeiter aus der Türkei angeworben. Ihre Küche prägt die Region bis heute. Diesen anderen Aspekt der Ruhrgebietsküche wollten wir ebenfalls gerne zeigen.

 

 

 

Zum Menü passende Weine sponserte uns die Deutsche Hotelakademie (https://www.dha-akademie.de). DHA-Dozent und Sommelier Sebastian Russold verkostete mit uns gemeinsam die Weine, die er passend zum Menü ausgewählt hatte.

 

Tagung (Teil 2) im Mintrops Stadthotel mit Führung über Zeche Zollverei

Unser zweiter Tagungstag war ebenfalls gut gefüllt:

Bei den letzten Punkten der Tagesordnung ging es um den Ort der Tagung für 2027. Sie wird in Nürnberg stattfinden und die Organisatoren, Stevan Paul, Oliver Wagner und Annette Sandner arbeiten bereits an einem inhaltlich und kulinarisch interessanten Programm. Des Weiteren wurde über Inhalte unserer FEC-Website gesprochen und es war Zeit für Fragen, Anregungen und Wünsche.

In der Kaffee-Pause kamen wir in den Genuss von Monte Nevado Schinken, den uns ein Cortador, ein spezialisierter spanischer Schinkenschneider, frisch aufschnitt.

 

Daniela Seidl (https://www.seidl-agentur.com/), die uns auch schon bei anderen Jahrestagungen mit vielen Food-Produzenten versorgt hat, stellte den Kontakt her zu Genussbotschafter Ingmar Rauch vom Essener Familienbetrieb R & S (https://www.rs-europa.com), der uns zum Tasting einlud, erklärte uns die Besonderheiten des Produkts.

 

Die beste Qualität der Monte Nevado Schinken-spezialitäten ist der fein marmorierte Irberico Bellota Schinken, mit exzellent leicht süßlich-nussigem Aroma, zu 100 % aus reinrassigen Iberico Schweinen, die sich freilaufend von Gras und Eicheln im größten zusammenhängenden Eichelhain der Welt ernähren, ohne Soja, GMO-Futter, Antibiotika oder Wachstumshormonen.

 

Mit dem anschaulichen Vortrag unseres Mitglieds Sarah Schocke (https://www.alexundsarah.de) endete der offizielle Teil unserer Jahrestagung. Sie führte das Thema KI aus unserem FEC Campus weiter und zeigte uns, welchen Formen von Food-Content Kinder und Jugendliche in den sozialen Medien ausgesetzt sind und welche Folgen das hat.

Damit uns bei der Führung durch die Zeche Zollverein nicht der Magen knurrte, gab es auf der Fahrt ein Bütterken, wie man im Ruhrgebiet sagt. Das Brot sponserte uns die Familienbäckerei Troll (https://www.trollbrot.de): 100 % Bio, keine Zusätze, regionale Herkunft. Und weil wir alle in unserer Vorbildfunktion nachhaltig unterwegs sein sollten, haben wir uns entschieden, dass der Aufschnitt vegan sein soll. Dafür sponserte uns die Firma Planted (https://eatplanted.com) einen veganen Pastrami-Aufschnitt und die Firma GEPA (https://www.gepa-shop.de) Schokolade als Nachtisch. Das alles war verpackt in Brotdosen von Sagaform (https://www.sagaform.com).

 

Als nicht geplanten aber dafür umso überraschenderen und berührenden Abschiedsgruß trafen wir an der Zeche Zollverein auf vier ehemalige Bergleute, die uns das Steigerlied als Ständchen darbrachten.

Herzlichen Dank an die Organisatorinnen Julia Uehren, Sarah Schocke und Anja Tanas für das interessante Programm, die kulinarischen Einblicke in die Ruhrgebietsküche und den unermüdlichen Einsatz, dass es uns allen gut geht.

 

Text:  Julia Uehren, Marianne Riermeier

Fotos:  Julia Uehren, Marianne Riermeier, Elke Westphal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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