„Warum machst du das eigentlich? Willst du in die Gastronomie oder in den Weinhandel wechseln?“ Diese Frage habe ich in den letzten Monaten oft gehört. Meine Antwort war jedes Mal ein klares Nein. Ich bleibe leidenschaftliche, freiberufliche Foodjournalistin und -bloggerin. Aber genau hier liegt der Punkt: Um über Essen, Genuss und Gastronomie auf hohem Niveau zu schreiben, gehört für mich eine Wein-Expertise dazu.
Warum DHA und WSET Level 3?
Wer sich im Weinbereich professionalisieren will, kommt am WSET-System kaum vorbei. WSET steht für „Wine and Spirit Education Trust“. Das Institut, mit Sitz in London, gilt als das angesehenste im Bereich Wein-Wissensvermittlung mit einem Netzwerk von Kursanbietern in über 70 Ländern. Meine Entscheidung fiel auf die Deutschen Hotelakademie (DHA), weil sie das anspruchsvolle WSET Level 3 mit dem verständlicheren Titel „Assistant Sommelier“ kombiniert. https://www.dha-akademie.de/ausbildung/wein/assistant-sommelier. Ein Vorteil war zudem die Flexibilität: Die 18-monatige Weiterbildung ist auf die Bedürfnisse von Berufstätigen ausgelegt. Ein Großteil basiert auf flexiblem Selbststudium, ergänzt durch Webinare, Online-Vorlesungen und Präsenzseminare.
Theorie büffeln und Landkarten zeichnen
Die Grundlage für das WSET Level 3 bildet das Lehrbuch „Weine verstehen: Alles über Stile und Qualitäten“. Die harte Realität: Man muss wirklich alles wissen, was darin steht – von Rebsorten und Anbaumethoden bis hin zu mikroklimatischen Besonderheiten weltweit. Der WSET empfiehlt rund 50 Stunden Selbststudium. Ich habe unzählige Karteikarten geschrieben, Landkarten gezeichnet, Tabellen angelegt und mich zusätzlich durch englischsprachige Online-Kurse vertieft.

Doch Theorie ist nur die halbe Miete:
Die Challenge: Riechen und Schmecken auf Knopfdruck
Für die Praxis habe ich eine virtuelle Lerngruppe gegründet. Alle zwei Wochen haben wir gemeinsam Weine nach dem standardisierten WSET-Schema verkostet und analysiert. Zuhause half mir ein Coravin-System dabei Weine über Wochen hinweg flaschenweise verkosten zu können. Das System funktioniert durch Argon-Gas Einschluss, welches in die Flasche gepresst wird, wenn man Wein entnimmt. So kommt kein Sauerstoff an den Wein, er wird dadurch am oxidieren gehindert und bleibt länger trinkbar.
Trotzdem war die sensorische Prüfung meine größte Hürde. Während es mir als Food-Journalistin leichtfällt, die Aromen eines Restaurantgerichts zu dekonstruieren, fiel mir das präzise Identifizieren von Wein-Nuancen anfangs schwer. Nach einem ersten Rückschlag in der Verkostung ging ich deshalb in die Vollen: Intensives Training mit Weinhändlern und einem befreundeten Sommelier (unser FEC-Kollege Sebastian Bordthäuser) retteten mich. Das Ergebnis am Ende? Die Theorieprüfung bestand ich „with Merit“ (überdurchschnittlich gut) und die Wiederholung der Verkostungsprüfung sogar „with Distinction“ (mit Auszeichnung) – und das bei einer Durchfallquote von über 50 Prozent im WSET Level 3.
Der DHA-Zusatz
Zusätzlich zu den WSET-Inhalten vermittelt die DHA in eigenen Studienbriefen Lern-Inhalte zu tiefgehendem Wissen über die Weinländer Deutschland und Österreich sowie Sommelier-Aufgaben. Für mich als Journalistin war vor allem das Thema Food & Wine-Pairing ein Highlight, das ich direkt für meinen Foodblog umsetzen konnte.
Mein Fazit
Hat sich der Aufwand gelohnt? Absolut. Ich profitiere bereits von diesem Wissen:
- Content Creation: Für ein Weingut durfte ich ein Jahr lang die Social-Media-Kanäle redaktionell betreuen. Ohne das tiefe Verständnis für Kellertechnik und Terroir wäre das unmöglich gewesen.
- Food-Journalismus: Mein wöchentliches Rezept, das ich für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibe, ergänze ich nun mit fundierten, stilsicheren Weinempfehlungen statt mit vagen Floskeln. Und auch die Rezepte auf meinem Blog kann ich nun sicher um eine Weinempfehlung ergänzen.
- Pressereisen & Networking: Bei Pressereisen in Weinregionen bewege ich mich nun auf Augenhöhe mit den Winzerinnen und Winzern. Ich kann die richtigen Fragen zur Bodenbeschaffenheit, den verschiedenen Erziehungssystemen (die Wuchsart der Rebe) oder dem Holzausbau stellen – meine Artikel gewinnen so an Qualität.
Für alle Kolleginnen und Kollegen im Food Editors Club, die überlegen, ihre kulinarische Berichterstattung auf das nächste Level zu heben, kann ich diesen Weg nur empfehlen. Es erfordert Disziplin, schärft aber die Sinne und öffnet redaktionell völlig neue Türen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.





