Von prickelndem Crémant über charaktervolle Rotweine bis zu raffinierten Menüs: Eine Pressereise durch das Loiretal zeigt, wie vielfältig Frankreichs längste Weinregion ist. Und dass hinter manchem guten Tropfen eine gute Geschichte steckt.
Vier Weingüter an einem Tag? Was nach einem Traumprogramm für Weinliebhaber klingt, verlangt tatsächlich einiges an Kondition. Zumal zwischen Cabernet Franc, Chenin Blanc und Crémant auch noch reichlich Fachwissen vermittelt wurde – überwiegend auf Französisch und Englisch.
Wer bei Loire-Weinen nur an Sauvignon Blanc und Crémant denkt, verpasst einiges. Zum Beispiel elegante Rotweine aus Cabernet Franc, erstaunlich wandlungsfähige Chenin Blancs und Winzer, die nicht nur guten Wein machen, sondern auch neue Wege gehen. Vier Tage lang führte eine Pressereise von Vins de Loire durch die Weinregionen Touraine und Anjou-Saumur. Auf dem Programm: Weingüter, Verkostungen, außergewöhnliche Restaurants und reichlich französische Lebensart.

Die Loire selbst ist rund 1.000 Kilometer lang, an etwa 400 Flusskilometern wird Wein angebaut. Rund 57.000 Hektar Rebfläche und mehr als 50 geschützte Herkunftsbezeichnungen (AOP) sorgen für eine bemerkenswerte Vielfalt. Das liegt nicht zuletzt an den unterschiedlichen Böden und klimatischen Bedingungen. Mal wachsen die Reben auf Kalkstein, mal auf Schiefer, Sand oder Ton. Das Ergebnis sind häufig frische, elegante Weine mit lebendiger Säure und moderatem Alkoholgehalt.

Wein mit sozialem Mehrwert
Eine besonders schöne Entdeckung war das Weingut Vignobles du Paradis in der Appellation Chinon. Hier geht es nicht ausschließlich um Rebstöcke und Trauben. Das Gut verbindet Wein- und Gemüseanbau mit einem sozialen Projekt: Menschen mit Behinderungen werden in die Arbeit im Weinberg und Keller eingebunden. Eine Initiative, die zeigt, dass sich soziale Verantwortung und Qualitätswein hervorragend ergänzen.
Auch die Verkostung überzeugte. Besonders in Erinnerung blieben zwei Weißweine: der mit einer Goldmedaille ausgezeichnete Clos de la Lysardière 2022, AOP Chinon, und ein älterer Jahrgang von 2015. Beide zeigten eindrucksvoll, dass Chinon keineswegs nur eine Adresse für Rotweinliebhaber ist.
Unterirdische Schätze und große Weine
Wer an der Loire Wein verkostet, begibt sich häufig unter die Erde. In den weichen Tuffstein wurden über Jahrhunderte kilometerlange Keller und Höhlen gegraben. Dort herrschen ideale Bedingungen für die Lagerung und Reifung der Weine.

Ein besonders fotogenes Ziel war die Domaine de la Paleine in Le Puy-Notre-Dame. Das Bio- und Biodynamik-Weingut mit seinen historischen Kellern und Weinbergen setzt auf nachhaltigen Weinbau und charaktervolle Saumur-Weine. Unter der Leitung von Jean-Louis Bernet produziert das Gut auf rund 34 Hektar vor allem Chenin Blanc und Cabernet Franc. Hier wird deutlich, wie eng Landschaft, Geschichte und Weinkultur miteinander verbunden sind.

Auch die Domaine de la Soucherie in Beaulieu-sur-Layon hinterließ Eindruck. Von ihrer Terrasse schweift der Blick über die Weinberge des Layontals.

Auf rund 28 Hektar wachsen unter anderem Chenin Blanc und Cabernet Franc. Besonders spannend ist die Bandbreite der Chenin-Traube: Sie kann knochentrocken, mineralisch, opulent süß oder als Schaumwein daherkommen. Kaum eine andere weiße Rebsorte zeigt sich so vielseitig.

Wenn der Wein zum Essen spricht
Dass Wein und Küche an der Loire ein ausgesprochen gutes Paar abgeben, bewies das Restaurant Le Puy à Vins in Le Puy-Notre-Dame.


Den Auftakt machte eine feine Pilztarte mit Parmesan, begleitet vom Chenin Blanc „La Butte des Rochettes“ von Alex Martin aus Saumur. Anschließend kam eine stundenlang geschmorte Lammschulter mit Gartengemüse auf den Tisch. Dazu gab es einen Cabernet Franc „Clos du Petit Chavannes“ von der Domaine de l’Enchantoir, Saumur-Puy-Notre-Dame. Den süßen Abschluss bildeten Pain de Gênes mit honiggerösteter Birne, aufgeschlagener Sahne und einem Sorbet aus roten Früchten. Im Glas: „Plaisir Ancestral“, ein Chenin Blanc aus Vouvray von Vincent Carême.
Drei Gänge, drei Weine und eine wunderbare Demonstration, wie selbstverständlich die französische Küche ihre regionalen Gewächse in Szene setzt.
Gerade solche Kombinationen machen den Reiz der Region aus: Die Weine drängen sich nicht in den Vordergrund, sondern begleiten das Essen mit Frische, Struktur und Charakter. Und manchmal ist die beste Weinprobe eben die, bei der gleichzeitig etwas Köstliches auf dem Teller liegt.

Ein Mittagessen auf dem Wasser
Zu den schönsten Erlebnissen gehörte eine Bootsfahrt auf der Loire. An Bord einer traditionellen Toue, eines flachen Loirebootes, glitten wir bei Saumur gemächlich über den Fluss. Dazu gab es ein Mittagessen mit regionalen Spezialitäten und prickelndem Crémant de Loire.
Die Landschaft zog vorbei, das Wasser glitzerte, die Gläser klangen. Viel mehr braucht es manchmal nicht, um zu verstehen, warum die Franzosen gutes Essen und guten Wein so selbstverständlich zusammenbringen.

Schlafen, wo einst Könige ruhten
Auch unsere Unterkunft war alles andere als gewöhnlich: Die Abbaye Royale de Fontevraud 6, gegründet 1101, zählt zu den größten erhaltenen Klosteranlagen Europas. Hier fanden unter anderem Eleonore von Aquitanien und Richard Löwenherz ihre letzte Ruhestätte.
Heute verbindet das weitläufige Ensemble mittelalterliche Architektur mit zeitgemäßer Gastlichkeit. Besonders eindrucksvoll war eine private Führung durch die Abtei am Abend. Zwischen Kreuzgängen, mächtigen Mauern und jahrhundertealter Geschichte fühlte sich die Reise plötzlich wie ein kleiner Ausflug ins Mittelalter an.

Mehr als Crémant und Sauvignon
Was bleibt nach vier Tagen und zahlreichen Verkostungen? Vor allem die Erkenntnis, dass die Loire zu den spannendsten Weinregionen Frankreichs gehört. Natürlich kann sie hervorragenden Crémant und frischen Sauvignon Blanc. Aber ihre eigentlichen Überraschungen heißen Chenin Blanc und Cabernet Franc. Zwei Rebsorten, die je nach Boden, Lage und Handschrift der Winzer völlig unterschiedliche Charaktere entwickeln.
Dazu kommen engagierte Menschen, großartige regionale Küche und eine Landschaft, die zum Verweilen einlädt. Die Loire ist eben nicht nur ein Fluss, sondern ein ziemlich guter Grund, Frankreich einmal mehr kulinarisch zu entdecken.
Die Reise fand auf Einladung von Vins de Loire statt.

Schemazeichnung
Auf den Druck kommt es an: Eine Weintraube ist nicht überall gleich. Fruchtfleisch, Kerne und Schale enthalten unterschiedliche Inhaltsstoffe. Wie kräftig die Trauben gepresst werden, beeinflusst deshalb die Zusammensetzung des Mostes – und später auch den Geschmack des Weines.